Lichtschiff: Klasse 4-6

 

Lichtschiff und Nudeldampfer – Kinder entdecken das Haus Schminke

Im Januar 2007 veranstalteten wir mit den vierten Klassen der Grundschule Löbau-Ost die erste Bauexpedition im Haus Schminke. Das Grundgerüst des Projekts gliedert sich in drei Phasen: sehen – verstehen – zeigen. Jede Phase setzt sich aus unterschiedlichen Vermittlungsmodulen zusammen, die sich an den Grundsätzen “lebensnah”, “interaktiv” und “nachhaltig” orientieren.

SEHEN:
Eine einführende Präsentation machte die Kinder zunächst mit der Familien- und Baugeschichte des Haus Schminke vertraut. Hier kamen vor allem die zahlreichen Originalfotos aus dem Nachlass der Familie Schminke zur Verwendung. Mit Hilfe der zeitgenössischen Aufnahmen konnten die Schüler selbst sehen, wie die Familie mit ihren Kindern damals in dem für sie geplanten Haus lebte. Ganz nebenbei erfuhren sie grundlegende geschichtliche Zusammenhänge und lernten die gesellschaftlichen Konventionen der 1930er Jahre kennen.

Im Anschluss an die Präsentation wurden die Schüler in zwei Gruppen in einem kindgerechten und interaktiven Rundgang durch das Haus geführt. Dabei galt es, möglichst viele Details zu benutzen. Es wurden Mechanismen zum Fensteröffnen, Raumaufteilungen und Küchenutensilien betätigt und erkundet. Die Schüler spielten nicht nur verschiedene Situationen im Leben der Familie Schminke nach, sie verkörperten selbst fehlende Möbelstücke und Einrichtungsgegenstände in den einzelnen Zimmern.

Dadurch, dass die beiden Gruppen das Haus gleichzeitig auf verschiedenen Wegen erkundeten, ergaben sich jeweils unterschiedliche Raumfolgen. Sobald sich die Gruppen auf ihrer Tour begegneten, entdeckten die Kinder zahlreiche Sichtbeziehungen. Anhand der gut dokumentierten Sanierungsgeschichte konnten die Vorgehensweisen und Entscheidungen der Denkmalpflege vermittelt werden, was immer wieder zu interessanten Gruppendiskussionen führte.

VERSTEHEN:
Im Anschluss an die Führungen sollten die Schüler den abgeschrittenen Weg durch das Haus auf maßstäblichen Grundrissen eintragen und so die Tour rekapitulieren. Der dreidimensionale Raum musste in dieser Phase auf die zweidimensionale Zeichenebene übertragen werden.

Die Auseinandersetzung mit der Konstruktion und der Kubatur des Gebäudes fand schließlich mit Hilfe eines für das Projekt entwickelten Bastelbogens statt. Aus den einzelnen Bauteilen wurde wiederum ein dreidimensionaler Körper zusammengesetzt. Auf diese Weise konnte das Zusammenwirken der verschiedenen Teile besonders gut erläutert werden.

Die Kinder gestalteten das ursprünglich farblose Architekturmodell nach eigenen Wünschen, so dass im Laufe des Projekttages lauter unterschiedliche maßstabsgetreue Häuser entstanden. Das selbst gebastelte Modell des Denkmals dient gleichzeitig als „Erinnerer“ und verankert das Gelernte, da jedes Kind sein eigenes Haus Schminke als Anschauungsobjekt mit nach Hause nehmen konnte.

ZEIGEN:
Zwei Wochen später gestalteten die Kinder mit uns einen Präsentationstag im Gebäude. Zu dieser Veranstaltung führten 16 Schüler aus beiden Klassen in kleinen Gruppen selbst durch das Haus. Auf Grund des großen Andrangs fanden jeweils mehrere Touren gleichzeitig statt. Dazu variierten die Schüler ihre Rundgänge und bewegten sich jedes Mal auf unterschiedlichen Wegen durch das Gebäude.

In diesem Rahmen stellten die Kinder einem begeisterten Publikum sowohl das Haus Schminke als auch die Bauexpedition vor. Auch auf Probleme der Denkmalpflege und Schwierigkeiten bei der Sanierung machten die Schüler im Zuge Ihrer Führungen aufmerksam. Ihr Engagement für das Denkmal war in der Folge Thema zahlreicher Artikel in der lokalen Presse.

Mit der Fortführung der Projekttage soll eine neue, zusätzliche Nutzung des Hauses in Form von Architekturtagen für Kinder entstehen. Durch die damit verbundene Öffentlichkeitsarbeit wird dem Haus direkt geholfen.

Zur Galerie